Deutsches Rotes Kreuz OV Freiberg a. N.

Chronik des Ortsvereins Beihingen

am 01. März 1931 wurde in Beihingen am Neckar eine Gründungsversammlung

abgehalten.

Gegründet wurde eine ASB-Kolonne.

Das Protokoll dieser Gründungsversammlung lautet wie folgt:

„Beihingen am Neckar, 7.3.31

Gründungsversammlung am 1.3.31

An jedem Ort zu jeder Zeit sind wir zur ersten Hilf bereit. Ein Wahlspruch der in sich eine große Sache birgt. Liegt doch in jedem Menschen das Gefühl, seinem Nächsten wenn er in Not kommt zu helfen wo es möglich ist. Manches kostbare Menschenleben könnte erhalten bleiben, wenn bei einem plötzlichen Unglücksfall sofortige Hilfe zur Stelle wäre. Das Hilfswesen das vor Jahrzehnten noch in Händen von Privatgesellschaften war, oder zum Teil von Mönchen betrieben wurde war ja an und für sich eine menschenfreundliche Angelegenheit, aber durch die Bestimmungen des damaligen Gesetzes ziemlich gehemmt. Als man nun in den Vorkriegsjahren dazu überging, das Rettungswesen auch unter der werktätigen Bevölkerung zu organisieren stieß man auf allerhand Schwierigkeiten die für den Anfang keine besondere Liebe zur Sache aufkommen ließ. Aber durch zähes Zusammenhalten und Ausdauer der damaligen Führer konnte man endlich als gut ausgebildete, heute überall bekannte A.S.B Kolonnen vor die Öffentlichkeit treten. Heute da der A.S.B mit ca. 45 000 Mitgliedern im ganzen Reich an jedem Ort zu jeder Zeit und ohne Standesunterschied funktioniert hat sich der Bund zu einer ansehnlichen Stellung emporgeschwungen. So versuchte man es auch am hiesigen Ort der ja durch seine bergige Lage bekannt ist und dadurch die Gefahren eines unabsehbaren Unglücks noch vergrößert wird eine Hilfsmannschaft ins Leben zu rufen. Bezirksvorsitzender K. Klotz vom 5. Bezirk Backnang der sich in liebenswürdiger Weise als Referent zur Verfügung stellte und in ausführlicher Weise Zweck und Ziele des Bundes erklärte konnte am Schluß die freudige Feststellung machen, daß auch hier der Wille vorhanden ist eine A.S.B. Kolonne zu gründen welches dann auch zur Tat umgesetzt wurde. Mit den Lehrkursen wurde dann am 8.3.31 im Gemeindesaal begonnen. Die Gründer und Funktionäre bestanden am 1.3.31 wie folgt. 1. Vorsitzender Hans Schwenk, 2. Vorsitzender Fritz Scholl. Kassier Louis Dötterer jun. Schriftführer: Friedrich Fischer. Technik: Karl Ott, Materialverwalter: Karl Haiber. Beisitzer: Alfred Klapitz, Revisoren: Friedrich Faigle und Richard Geiger. Weitere Mitglieder, Friedrich Weller, Gustav Weller, Adolf Schiedinger, Karl Laug, Richard Fischer, A. Brenner, Andreas Breuss.

Mit frei Hilf

Friedrich Fischer

Schriftführer“

Anlass der Gründung war nach mündlicher Überlieferung ein schwerer Unfall mit einem mit Menschen beladenen Lastwagen, bei dem es mehrere Tote gab. Geschehen etwa um 1930 in der Ludwigsburger Straße in Beihingen.

In der ersten Zeit, also von der Gründung bis in die fünfziger Jahre, war hauptsächlich die Ausbildung der Helfer und der Öffentlichkeit und die Hilfeleistung bei Notfällen die Arbeit der Sanitätsgemeinschaft.

Jeder Helfer hatte eine Tafel am Haus, auf der erkenntlich war, dass hier in Notfällen geholfen werden könne.

Ärzte gab es auf dem Lande nur sehr vereinzelt.

In Beihingen gab es keinen.

Die Leute gingen eben zu den Helfern der Sanitätsdienste.

Die Ausbildung fand im Gemeindesaal statt, der sich im alten Schulhaus in

Beihingen befand.

Erwähnenswert und zeittypisch sind einige Anekdoten aus dem ersten Berichtsbuch, das von der Gründung im Jahre 1931 bis zum 30. Juni 1952 reicht.

So wird in der Versammlung am 23.9.1932 der Techniker folgendermaßen ermächtigt:

„Da es Pflicht ist, dass die Verbandstaschen gut ausgerüstet sind, wird der Techniker ermächtigt, Stichproben von Zeit zu Zeit vorzunehmen. Bei schlechter Verwaltung wird der Tascheninhaber verwarnt, im Wiederholungsfalle wird die Tasche entzogen.“

Am 11.3. 1933 fand die letzte Ausschusssitzung der A.S.B. Kolonne Beihingen am

Neckar statt.

Zur Gründung einer freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wurde dann am 29. September 1933 wieder eine Gründungsversammlung veranstaltet.

Bei der Verlesung der gemeldeten Mitglieder ergab sich, dass von Beihingen 16 Helfer, Benningen 4, Geisingen 10 und 4 Helferinnen und Heutingsheim 6 in die zu gründende Kolonne eintreten wollten.

Da Beihingen der Mittelpunkt der vier Gemeinden war und auch die meisten Gemeldeten aufwies, sollte die Kolonne den Sitz und den Namen Beihingen haben.

Ärztlicher Leiter und Kolonnenarzt wurde Herr Dr. med. Schumm aus Ludwigsburg.

Während ihrer einjährigen Ausbildungszeit wurde die Kolonne als Lehrkolonne geführt.

Interessant und für die Zeit typisch ist folgender Absatz:

„das Rote Kreuz hat sich dem Führer des deutschen Volkes voll zur Verfügung gestellt, welches durch eine besondere Vereinbarung mit der N.S.d.A.P. geschehen ist. Durch diese Vereinbarung dürfen S.A Mitglieder jederzeit am Ausbildungsunterricht mit den gleichen Rechten und Pflichten teilnehmen. Der deutsche Gruß welcher Volksgruß geworden ist, muß von allen Mitgliedern erwiesen und erwidert werden.“

In der Ausschusssitzung vom 2. Dezember 1933 wurde ein Ordnungsgeld beschlossen. Bei unentschuldigtem Fernbleiben vom Übungsabend musste beim ersten Mal 30 Pfennige, beim zweiten Mal 50 Pfennige und beim dritten Mal 1 Mark in eine Sparkasse eingezahlt werden.

In dieser politisch sehr umstrittenen Zeit gab es am 27. Juni 1934 dann auch im Verein Probleme.

Der Führer (1. Vorsitzender) Kamerad Eisebraun gab bekannt, dass er unter den bestehenden Verhältnissen nicht mehr in der Lage sei, der Kolonne als Führer vorzustehen und verlas sein Rücktrittsgesuch.

Im übrigen war Herr Eisebraun dann aber doch noch einige Jahre Kolonnenführer.

1935 kostete eine Uniform 17,25 Mark, von solchen Preisen können wir heute nur noch träumen.

Die nun folgende Zeit wurde immer mehr durch militärische Details geprägt. Die Hauptversammlung wurde zum Generalappell, die Ausschusssitzung zur Beiratssitzung.

An den Übungsabenden wurde sogar Formaldienst durchgeführt. Das bedeutete in der Formation marschieren, schwenken, umkehren und grüßen lernen.

Der Höhepunkt folgte 1937, als das Protokoll des Hauptappells mit der Grußformel „Heil Hitler“ vom Schriftführer unterzeichnet wurde.

Es war übrigens das einzige Protokoll, in dem diese Formel auftrat.

1939 wurde die Sanitätskolonne dann stillgelegt.

Am 30. April 1939 fand der letzte Hauptappell des Sanitätszuges Beihingen unter der Leitung von Oberwachtführer Eisebraun im Waldhorn zu Geisingen statt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wurde auf Initiative von Fritz Scholl eine Mitgliederversammlung beim „Schober“ einberufen. Diese fand am 27. Oktober 1946 statt.

Der Ortsverein Beihingen im Deutschen Roten Kreuz wurde aus der Taufe gehoben.

Auch hier war wieder das „kommunale Kleeblatt“ Benningen, Beihingen, Heutingsheim und Geisingen vertreten.

Die Funktionäre waren folgende:

1. Vorsitzender:Scholl, Fritz

2. Vorsitzender:N.N.

Schriftführer:Breuss, Andreas

Kassenwart:Faigle, Friedrich

Vorsitzende für weibliche Mitglieder: Fräulein Köpf aus Benningen.





Andreas Breuss war damit ununterbrochen seit dem 18. Dezember 1932 Schriftführer von Beihingen.

In der Ausschusssitzung, die Nomenklatur hatte sich auch wieder normalisiert, am 17. April 1950 beim Haiber (Gaststätte Adler) in Beihingen war der Hauptpunkt die Aussprache zur Auflösung der Bereitschaft. Nach längerer Beratung wurde beschlossen, die Hauptversammlung abzuwarten. In dieser wurde nach zeitintensiver Aussprache doch noch eine Einigung erzielt und die Bereitschaft konnte weiterexistieren.

Die Ursache der drohenden Auflösung ist leider nicht bekannt. Es ist darüber auch nichts in den Protokollen aufgezeichnet.

In dieser Hauptversammlung am 17. April 1950 wurde dann auch der bisherige Schriftführer Andreas Breuss zum 1. Vorsitzenden und der bisherige 1. Vorsitzende Fritz Scholl zum Schriftführer gewählt. Dennoch hat weiterhin Andreas Breuss die Protokolle verfasst und in das Protokollbuch eingetragen.

Erst mit der Jahresversammlung 1952 hat der zum Schriftführer gewählte Kamerad Bach aus Benningen diese Tätigkeit auch ausgeübt. 1955 wurde dann aber wieder Andreas Breuss Schriftführer.

Die Gemeinde Geisingen schied in der Zeit zwischen 1949 und 1952 aus dem Ortsverein Beihingen aus, Heutingsheim folgte dann bis zum Jahr 1955.

In der außerordentlichen Hauptversammlung am 24. September 1955 im Brückenhaus wurde Herr Erich Pflugfelder, Beihinger Bürgermeister, zum 1. Vorsitzenden des Ortsvereins Beihingen gewählt.

Benningen wurde selbständiger Ortsverein.

Am 15. August 1958 wurde die Idee eines eigenen Vereinsheimes geboren.

Am 21./22. Mai 1960 wurde unser neues Vereinsheim in der Talstraße dann im Rahmen eines großen Festes eingeweiht. Zudem wurde ein Landesjugendwettbewerb durchgeführt, da das Heim zunächst als Jugendheim gebaut wurde.

Hervorzuheben ist, dass Andreas Breuss das Schriftführersamt noch bis 1970 und damit 35 Jahre mit einer dreijährigen Unterbrechung ausübte, bevor er von Johanna Bakker abgelöst wurde.

Herr Pflugfelder lenkte die Geschicke des Ortsvereins bis 1987.

Kamerad Heinrich Joos übernahm das Amt des 1. Vorsitzenden dann bis zum Jahre

2000.

Im Jahre 2000 wurde Jürgen Reiling zum 1.Vorsitzenden gewählt.

An der Hauptversammlung am 28.03.2003 verließen drei langjährige, verdiente Mitglieder den Vorstand:

Herr Gerhard Renz, der uns seit 1970 als Kassenprüfer und fachmännischer Berater in Bausachen stets hilfreich zur Seite stand.
Er wurde für seine Verdienste um den Ortsverein zum Ehrenmitglied ernannt.

Kameradin Anneliese Joos war ab dem Jahr 1971 ununterbrochen Leiterin des Sozialdienstes unseres Ortsvereins.
Auch sie wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

Kamerad Heinrich Joos hatte das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden drei Jahre inne und hat dann Jürgen Reiling als 1. Vorsitzenden in sein Amt eingeführt und ihm in Höhen und Tiefen mit Rat und Tat unterstützt.

Nachfolger wurden:

Stv. Vorsitzender Wolfgang Joos

Sozialleiterin Christiana Gusek

Kassenprüfer Manfred Freudl





Im Jahr 2003 äußerten die Vorstände der selbstständigen Ortsvereine Geisingen und Heutingsheim, dass sie sich zusammenschließen wollen.

Der Grund dafür waren Mitgliederstand und Altersstruktur des Ortsvereins Geisingen.

Beihingen wurde gefragt, ob sie sich an den Gesprächen zur Vereinigung beteiligen wollen.

Nach ausführlicher Beratung in der Vorstandschaft wurde der Beteiligung zugestimmt.

Am 14. Januar 2004 war dann die erste Besprechung unter der Beteiligung des Ludwigsburger Kreisverbandsvorsitzenden Michael Vögele.

In der Mitgliederversammlung am 01. März 2004 wurde dann der 1. Vorsitzende des OV Beihingen beauftragt, sich an den Gesprächen weiterhin zu beteiligen.

Nach geraumer Zeit, am 12. November 2004, wurden die Vereinsvorstände dann vom Justitiar des Kreisverbandes über die rechtlichen Rahmenbedingungen der Umwandlung informiert.

Am 24. Januar 2005 fand die erste gemeinsame Sitzung der Vorstände der drei Ortsvereine statt.

Es wurden Arbeitsgruppen gebildet, die die Erfordernisse der Fachabteilungen feststellen sollten.

Die Vorsitzenden der drei OV tagten am 01. Februar 2003 in Heutingsheim.

Dabei wurde unter anderem festgelegt, dass die Hauptversammlungen zeitgleich an einem Freitag stattfinden sollten. Der Auflösungsbeschluss sollte ebenfalls für alle Hauptversammlungen gleich lauten. Die Formulierung übernahm Jürgen Reiling vom OV Beihingen.

Die Satzungen müssen an die Mustersatzung für OV des Kreisverbandes angepasst werden. Diese Aufgabe übernahm auch der 1. Vorsitzende des OV Beihingen, Jürgen Reiling.

In der nächsten Gesamtvorständesitzung am 07. März 2005 wurden die Termine der erforderlichen Versammlungen bestimmt und Besetzungsvorschläge für die Funktionäre des neuen OV Freiberg am Neckar ermittelt.

Da in ordentlichen Mitgliederversammlung am 13. Mai 2005 nicht die erforderliche Mindestzahl von 2/3 der Gesamtmitglieder anwesend war, konnte der Tagesordnungspunkt "Auflösung des Vereins" nicht behandelt werden.

In der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 10. Juni 2005 genügte dann die 2/3-Mehrheit der anwesenden wahlberechtigten Mitglieder des OV Beihingen.

Wir konnten als Ehrengäste Frau Stadträtin Schladerer, Frau Stadträtin Oesterle, Herrn Beigeordneten Kopp und Herrn Ziwey vom FFF begrüßen.

Nachdem Herr Erich Stockburger aufgrund seiner Verdienste für den OV zum Ehrenmitglied ernannt wurde, wandte man sich dem einzigen Tagesordnungspunkt, der Vereinsauflösung zu.

Der Vorsitzende erklärte die Modalitäten anhand der Satzung. Danach wurde geheim abgestimmt.

Von den 25 anwesenden Stimmberechtigten war einer gegen die Auflösung und 24 dafür.

Es lag damit die erforderliche 2/3-Mehrheit vor und der Vorsitzende Jürgen Reiling konnte die Auflösung des DRK OV Beihingen zum 30. Juni 2005 erklären.

Am 24. Juni 2005 erfolgte die Neugründung des OV Freiberg am Neckar.

Zum ersten Vorsitzenden wurde Herr Michael Kopp, der Erste Beigeordnete der Stadt Freiberg, gewählt.

Zu seinem Stellvertreter hat die Versammlung Rainer Hähr berufen, den Getränkewart des OV Geisingen.

Die beiden ehemaligen Vorsitzenden der OV Beihingen und Heutingsheim konnten die erforderliche einfache Mehrheit nicht erreichen.

Damit endet die Geschichte des Ortsverein Beihingen und mit ihr auch die Tätigkeit des Verfassers im Deutschen Roten Kreuz in Freiberg.


geschrieben von : Jürgen Reiling, Freiberg am Neckar, 25. Juni 2005